Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura 2000-Gebieten in Thüringen

Projektlaufzeit 01. März 2020 bis 28. Februar 2026

Das Projekt beabsichtigt die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung von strukturreichen Saumbiotopen in v. a. intensiv landwirtschaftlich genutzten Ackerbauregionen Thüringens. Damit kann ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt bzw. zur Erhöhung der Artenvielfalt und damit auch zur Sicherung und Verbesserung von Ökosystemdienstleistungen sowie zur Aufwertung des Landschaftsbildes in Agrarlandschaften geleistet werden.

In dem geplanten Projekt VIA Natura 2000 ist die ökologische Aufwertung von Strukturen unter Einbeziehung vorhandener Saumbiotope (Feldraine, Wegränder, Uferrandstreifen, Blühstreifen, Hecken) mit dem Ziel eines optimierten Biotopverbundes zu den angrenzenden Natura 2000-Gebieten in Thüringen vorgesehen. Begleitend dazu erfolgen Erhebungen zu den Pflanzen- sowie den Wildbienen- und Schwebfliegengemeinschaften in ausgewählten Gebieten, die Aufschluss über den IST-Zustand und das Entwicklungspotential der untersuchten Flächen geben. Zusätzlich ist unter Nutzung des Citizen Science – Konzeptes ein umfangreiches Tagfaltermonitoring in den Projektgebieten vorgesehen. Diese Monitoring-Daten ermöglichen eine Abschätzung der Wirksamkeit der geplanten Maßnahmen. Darüber hinaus wird analysiert, welche Wegerandstrukturen existieren und welches Verbundpotential besteht. Natura 2000-Gebiete, der Nationalpark Hainich und das Grüne Band (mit Berücksichtigung der vorkommenden Arten im Sinne des Biotopverbundes) sollen bei der Erarbeitung von Verbundstrukturen im Vordergrund stehen.

Neben der optimierten Pflege der noch vorhandenen Saumbiotopstrukturen sind auch Neuanlagen geplant. Der Fokus liegt hierbei auf den Feldrainen, das heißt den mit gras- und krautartigen Pflanzen bewachsenen Grenzstreifen zwischen zwei Äckern bzw. zwischen Acker und (Feld-)Weg. Eine Herausforderung von dauerhaften Saumbiotop-Neuanlagen liegt in der voraussichtlich schlechten Flächenverfügbarkeit, bedingt u.a. durch den hohen Pachtflächenanteil Thüringer Landwirtschaftsbetriebe. Grundsätzlich sind dabei die Feldraine, direkt am oder auf dem Acker und das Wege- bzw. Straßenbegleitgrün zu unterscheiden. Beide Flächentypen haben i.d.R. unterschiedliche Eigentümer sowie einen unterschiedlichen Flächenstatus (Eigenland, Pachtland, Gemeindeland) mit verschieden Zuständigen, anderen rechtlichen Voraussetzungen und Konsequenzen sowie praktischem Handlungsbedarf. All diese Einflussgrößen auf die Anlage von Saumbiotopen sollen anhand konkreter regionaler Flächenbeispiele erfasst, analysiert und entsprechende Lösungsoptionen abgeleitet werden.

Insektenschutz-Projekt: 5,7 Millionen Euro für blühende Feldraine

Siegesmund: „Wir brauchen in unserer Natur die ganze Vielfalt der Insekten“/ Peisker: „Neben der Artenvielfalt profitiert auch das Landschaftsbild“

Mit gras- und krautbewachsenen Randstreifen zwischen Acker und Feldweg soll der Insektenschutz in Thüringen verstärkt werden. Das Projekt „VIA Natura 2000“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro, sowie vom Umweltministerium mit rund 600.000 Euro finanziert. Dazu kommen Eigenmittel der Projektpartner, vor allem der Stiftung Naturschutz Thüringen (rund  140.000 Euro). Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2020 -2026).

Dazu erklärt Umweltministerin Siegesmund: „Unserer Natur tut Vielfalt gut. Dort, wo ausgeräumte Agrarlandschaften bislang zu wenige Lebensräume für Insekten bieten, können blühende Feldraine helfen. Sie bieten Bestäubern und anderen Insekten ein vielfältiges Blütenangebot – auch solchen, die als landwirtschaftliche Nützlinge einen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung leisten können. Weniger Insekten dagegen bedeutet auch weniger Feldvögel und damit den Verlust an vertrauten Tieren unserer Heimat. “

Gemeinsam mit fünf Natura 2000-Stationen sowie der Umwelt- und Agrarstudien GmbH führt die Stiftung Naturschutz Thüringen in den kommenden sechs Jahren das Projekt „VIA Natura 2000“ durch. In den landwirtschaftlich besonders intensiv genutzten Ackerbauregionen Thüringens soll damit auch der Biotopverbund zwischen bestehenden Schutzgebieten optimiert werden.

„Ziel ist es unter anderem, eine Vernetzung für Insekten zu schaffen und dadurch auch Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung zu sichern und zu verbessern. Neben der Artenvielfalt profitiert auch das Landschaftsbild in intensiv ackerbaulich genutzten Gegenden sehr von blütenreichen Säumen entlang von Feldwegen“, so Denis Peisker, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Zur Umsetzung der Maßnahmen erfolgt eine intensive Beratung und Abstimmung mit Gemeinden, Landwirtschaftsbetrieben, Eigentümerinnen und Eigentümern und weiteren Akteuren. Für eine breite Akzeptanz und den langfristigen Erhalt der Säume werden übergreifende Analysen in Hinblick auf rechtliche, förderspezifische und ökonomische Fragestellungen durchgeführt. Auf Basis dieser Analysen und weiterer im Projekt gemachter Erfahrungen wird ein Leitfaden mit praxisnahen Handlungsempfehlungen erstellt.  Erfassungen von Pflanzen sowie Wildbienen und Schwebfliegen geben Aufschluss über den Ist-Zustand und das Entwicklungspotenzial der untersuchten Flächen. Luftaufnahmen und Analysen mittels geographischer Informationssysteme zeigen landschafts- und agrarökologische Veränderungen und liefern Informationen zum Vernetzungsgrad der Flächen.

Zur Ergänzung der Erhebungen und Förderung des bürgerwissenschaftlichen Engagements ist außerdem ein ehrenamtliches Tagfaltermonitoring in den Projektgebieten vorgesehen. Darüber hinaus können Verbände, Vereine, Schulen und Kindergärten in den Projektregionen Feldrain-Patenschaften übernehmen. Sie pflegen die Flächen, dokumentieren Veränderungen und tragen das Thema in die Bevölkerung. Weitere Elemente der Öffentlichkeitsarbeit wie Fachsymposien, Informationsmaterialien oder eine intensive Pressearbeit sollen das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Strukturelemente in der Landschaft bei verschiedenen Zielgruppen erhöhen.

Hintergrund:

Die fünf beteiligten Natura 2000-Stationen sind:  Landschaftspflegeverband Altenburger Land e.V. (Natura 2000-Station Osterland), Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. (Natura 2000-Station Gotha/Ilmkreis), Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. (Natura 2000-Station Südharz/Kyffhäuser), Wildtierland Hainich gGmbH (Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld), Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. (Natura 2000-Station Mittelthüringen). Zusätzlicher Verbundpartner ist die U.A.S. Umwelt- und Agrarstudien GmbH

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz: https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/via-natura-2000.html